
Wichtig ist zu verstehen, dass viele genetische Faktoren nicht sichtbar sind und selten an ein bestimmtes äußeres Erscheinungsbild gebunden. Es kann vorkommen, dass Züchter zwei gesunde, unverwandte Linien miteinander verpaaren und erst durch die Kombination dieser Blutlinien FTTs auftreten. In solchen Fällen trägt niemand „Schuld“ – es handelt sich vielmehr um Pech und um eine Realität, der man sich in der Zucht stellen muss.
FTTs bei Farbratten sind insgesamt selten, insbesondere genetisch bedingte FTTs. Erkrankungen des Muttertiers können jedoch ebenfalls zu FTTs führen. So kann beispielsweise eine Mastitis dazu führen, dass die Welpen infiziert werden. Häufige Folgen sind dann Wasserköpfe sowie kranke oder sterbende Jungtiere.
Gerade ein Thema wie FTT lässt sich nicht über einen Kamm scheren und erfordert eine gezielte Betrachtung jeder einzelnen Situation, in der sie auftreten.
Neben einer angepassten Ernährung und einer genauen Dokumentation der Zuchtlinien, ist es wichtig als Züchter einen transparenten Umgang zu haben. FTT sind wenn sie auftreten keine Schande! Aber verdienen einen realistischen und durchdachten Umgang mit dem Thema.
Wir haben folgend einige, wissenschaftlich beschriebene, Ursachen für FTT aufgelistet.
Genetische Ursachen für Failure to Thrive (FTT) bei Ratten
1. Monogene Defekte
- Autosomal-rezessive Mutationen in Schlüsselgenen können zu angeborenen Organfehlbildungen führen
- Beispiele:
- Herzfehlbildungen durch Mutationen im Nkx2-5-Gen
- Nierenunterentwicklung bei Defekten im Pax2-Gen
- Betroffene Welpen zeigen schon in den ersten Lebenstagen Wachstumsstillstand und Stoffwechselentgleisungen
2. Hormonelle und Stoffwechselstörungen
- Mutationen in endokrinen Regulationsgenen beeinträchtigen Wachstumshormone oder Schilddrüsenhormone
- Somatotropin-(GH-)Gen-Defekte → GH-Mangel → verringerte Somatotrope Signalgebung
- Thyreotropinrezeptor-Mutationen → Hypothyreose
- Stoffwechselenzyme (z. B. Lipasen, Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase)
- Fehlende Enzymaktivität → Energiemangel, Hypoglykämie
3. Polygenetische Einflüsse und Inzuchtdepression
- Vielzahl kleiner Effektmutationen summieren sich zu verminderter Vitalität
- In stark inzuchtgezüchteten Linien steigt die Häufigkeit schädlicher Allelkombinationen
- Charakteristische Merkmale:
- Kleinwüchsigkeit trotz adäquater Ernährung
- Erhöhte Sensitivität gegenüber Umweltstress
4. Transgene und Knock-out-Modelle
- Genom-Insertion kann benachbarte Gene stören (Insertional Mutagenese)
- Knock-out von Überlebensgenen führt zu perinatalem Krepitus
- Häufig beobachtet bei neu generierten Modelllinien:
- Unerwartete Phänotypen
- Erhöhte Jungtiersterblichkeit
Übersichtstabelle genetischer Ursachen
| Ursache | Betroffene Systeme | Typischer Phänotyp |
|---|---|---|
| Monogene Mutationen | Herz, Nieren, Skelett | Frühzeitiges Wachstumsversagen |
| Hormon- und Stoffwechselgene | Endokrinsystem, Leber | Hypoglykämie, Hypothermie |
| Polygenetik / Inzuchtdepression | Multisystemisch | Ganzkörperverlangsamung |
| Transgene / Knock-out | Variabel je nach Transgen | Jungtiersterblichkeit, FTT-Phänotyp |
