Genetischer Code
pw/pw (alternative Schreibweise: ba/ba – Bared)
Vermutlich erneutes Erscheinen von Bared
Erbgang
Rezessiv
Chromosom
Unbekannt

Beschreibung
Patchwork, auch als Werewolf bezeichnet, ist eine Fellmutation der Farbratte, die durch einen lebenslangen Wechsel zwischen behaarten und nahezu haarlosen Phasen gekennzeichnet ist. Im Gegensatz zu dauerhaft haarlosen Mutationen wächst das Fell in unregelmäßigen Abständen nach, fällt anschließend wieder aus und verändert dadurch das Erscheinungsbild des Tieres während seines gesamten Lebens.
Bereits kurz nach der Geburt zeigen betroffene Tiere ein verzögertes oder unvollständiges Haarwachstum. Anstelle eines dichten Jungfells entwickeln sich zunächst feine, flaumige Haare, die im weiteren Verlauf wieder ausfallen können. Im Erwachsenenalter wechseln sich unterschiedlich stark behaarte und kahle Bereiche kontinuierlich ab. Bei manchen Tieren bleibt die Behaarung zeitweise nahezu ausschließlich auf den Kopf oder das Gesicht beschränkt und bildet dort streifen- oder fleckenartige Muster.
Die Mutation wird rezessiv vererbt. Nur Tiere mit zwei Kopien des Allels (pw/pw) zeigen den Patchwork-Phänotyp. Tiere mit nur einer Kopie des Allels (Pw/+) sind äußerlich unauffällig und gelten als Träger.
Die genetische Zuordnung der Mutation ist bis heute nicht abschließend geklärt. Während in der heutigen Rattenzucht überwiegend die Bezeichnung Patchwork (pw) verwendet wird, vermuten mehrere Genetikdatenbanken und Fachautoren, dass es sich um dieselbe Mutation handelt, die bereits 1982 unter der Bezeichnung Bared (ba) wissenschaftlich beschrieben wurde. Da weder das verantwortliche Gen identifiziert noch das Chromosom bekannt ist, werden beide Bezeichnungen weiterhin parallel verwendet.
Ein molekulargenetischer Nachweis, dass Patchwork (pw) und Bared (ba) tatsächlich identisch sind, steht bislang jedoch aus.
Genotypen
| Genotyp | Phänotyp |
|---|---|
| Pw/pw | Normal (Träger) |
| pw/pw | Werewolf / True Patchwork |
| Ba/ba | Normal (Träger) |
| ba/ba | Bared (vermutlich identisch mit Patchwork) |
Gesundheit
Die wissenschaftliche Datenlage zu dieser Mutation ist äußerst begrenzt. Die einzige ausführliche wissenschaftliche Beschreibung stammt aus der Erstbeschreibung der Bared-Mutation (ba) aus dem Jahr 1982, welche nach heutigem Kenntnisstand vermutlich mit Patchwork identisch ist.
In dieser Studie wurden die Tiere als grundsätzlich lebensfähig und fortpflanzungsfähig beschrieben. Das charakteristische Merkmal war ein dauerhaft gestörter Haarzyklus mit wiederkehrenden Phasen von Haarwachstum und Haarverlust. Zudem beschrieben die Autoren einen vorhandenen, jedoch etwas kleineren und gelblich gefärbten Thymus sowie eine möglicherweise leicht verminderte Milchleistung der Weibchen. Ob diese Beobachtungen uneingeschränkt auf alle heutigen Patchwork-Linien übertragbar sind, ist bislang nicht wissenschaftlich untersucht.
Unabhängig davon führt das reduzierte oder phasenweise fehlende Haarkleid zu einer eingeschränkten Schutzfunktion der Haut, was die Tiere empfindlicher macht. Weitere gesundheitliche Auswirkungen können aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Daten derzeit weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.

Auffällig ist zudem, dass bei vielen Patchwork-Ratten auch die Vibrissen (Tasthaare) verändert sind. Diese sind häufig deutlich verkürzt, unregelmäßig ausgebildet oder können teilweise fehlen. Das auf dem Foto gezeigte Tier zeigt dieses Merkmal exemplarisch: Die Vibrissen sind im Vergleich zu einer normal behaarten Ratte auffallend kurz. Da Vibrissen wichtige Sinnesorgane sind und der Orientierung sowie der Wahrnehmung der Umgebung dienen, könnten solche Veränderungen die sensorische Funktion beeinflussen. Ob und in welchem Ausmaß dies bei Patchwork-Ratten tatsächlich zu funktionellen Einschränkungen führt, wurde bislang jedoch nicht wissenschaftlich untersucht.
Tierschutzbewertung
Die Werewolf- beziehungsweise Patchwork-Mutation führt zu einem dauerhaft gestörten Haarzyklus, bei dem das Fell wiederholt ausfällt und nur unvollständig nachwächst. Häufig sind zudem auch die Vibrissen (Tasthaare) verkürzt, unvollständig ausgebildet oder fehlen teilweise. Dadurch sind sowohl die natürliche Schutzfunktion des Haarkleides hinsichtlich Wärmeregulation und Hautschutz als auch die für Orientierung und Tastwahrnehmung wichtigen Vibrissen beeinträchtigt.
Da das Zuchtziel unmittelbar auf einer genetisch bedingten Funktionsstörung des Haarkleides und häufig auch der Vibrissen beruht und nicht lediglich eine optische Veränderung darstellt, wird die Patchwork-Mutation von uns gemäß § 11b Tierschutzgesetz als Qualzucht eingestuft.
Quellen
Kuramoto, T., Oda, S. & Yosida, T. H. (1982). Studies on the Karyotype Differentiation of the Norway Rat. Hypotrichotic Mutant Rats Appeared in the Inversion Stock. Cytologia, 47(4), 673–682.
https://www.jstage.jst.go.jp/article/cytologia1929/47/4/47_4_673/_article
Robinson, R. (1979). Genetic Variants and Strains of the Laboratory Rat.
https://archive.org/details/geneticvariantss0000robi
Rat Variety Guide (Nanna M. Andersen). Werewolf / True Patchwork.
https://ratvarietyguide.weebly.com/
Rat Genome Database (RGD).
https://rgd.mcw.edu/
Deutsches Tierschutzgesetz – § 11b (Qualzucht).
https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__11b.html
